Schwarze Blume
Roman, 448 Seiten, broschiert,
Fadenheftung, einige Bilder, Übersetzung Hanyu Yang & Heiner Feldhoff, erscheint Ende August 2010; Preis: 12,90€ ISBN 978-3-88769-758-7
Kim
Young-ha, wurde am
11.November 1968 in Hwacheon in der Provinz Gangwondo (Republik Korea) geboren.
Er ist einer der provokantesten Autoren Südkoreas und gilt als die
„Kultfigur der jungen koreanischen Literatur.“ (SPIEGEL SPECIAL) Die
Familie zog wegen des Offiziersberufes des Vaters häufig um. Im Alter von
neun Jahren erlitt er eine Kohlegasvergiftung, die seine Erinnerungen an die
Zeit davor auslöschte. Er studierte Betriebswirtschaft, begann zu
schreiben, und arbeitete bis 2008 an der Drama School der Korean National
University of Arts in Seoul. Seit Herbst 2009 lebt er als freier Schriftsteller
mit seiner Frau in New York. An die koreanische Öffentlichkeit trat er mit
einer Serie von Romanen, die von den Befindlichkeiten junger
großstädtischer Koreaner handelten, in trockener objektiver Sprache,
einer sehr anderen Sprache als die der traditionell orientierten koreanischen
Literatur. Anders ist auch, wie er Elemente der Unterhaltungsliteratur mischt
mit genauen historischen Informationen. Für „Schwarze Blume“
erhielt er mit dem Dong-in-Preis den bedeutendsten Literaturpreis des Landes.
Kim
Young-ha sagte über sein Schreiben in einem Interview einmal: „Manchmal
denke ich, ich bin besessen von den Themen „Verschwinden“ und
„Vergessen“. Erinnerungen zu haben, trägt dazu bei, sich
seiner selbst bewusst und auch treu zu sein. Jeder Koreaner (egal ob aus dem
Süden oder dem Norden) ist eine Art Flüchtling. Ich bin der Meinung,
dass der Mensch seiner Vergangenheit und seinen Verletzungen nicht entrinnen
kann.“
Der
Staat Korea war im August 1910 von der politischen Landkarte verschwunden. Im
Kalten Krieg wurde es dann zu Nord- und Südkorea, trotz Wiedervereinigungsbestrebungen
ist der Kurs der beiden Länder ein Konfrontationskurs, wie in den
vergangenen Monaten wieder deutlich wurde.
Der
Roman „Schwarze Blume“
von Kim Young-ha wirft einen Blick auf diese Zeit vor gut 100 Jahren. Eine
Gruppe von 1033 Koreanern bricht aus einem krisengeschüttelten Land auf in
eine neue Welt. Sie begeben sich auf eine ungewisse und abenteuerliche Reise
zwischen Unterdrückung, Ausbeutung und dem Kampf um Freiheit. 1904
emigrierten sie voller Hoffnungen und Träume von einem besseren Leben nach
Mexiko. Was sie nicht wussten: Sie wurden als Lohnsklaven auf Henequen-(Sisal)
Plantagen „verkauft“. Für vier Jahre hatten sie die
Hazienderos, die Großgrundbesitzer gekauft, und die koreanischen
Einwanderer wurden deren Willkürherrschaft unterworfen. Doch dann beginnen
sie sich zu wehren. Es beginnt die Zeit der Revolutionskämpfe in Mexiko.
Viele der Auswandere sind mittendrin, beteiligen sich Seite an Seite mit den Revolutionären
an den Kämpfen für ein freieres Leben. Die Geschichten einzelner
Menschen, persönliche Schicksale werden eingebaut in die Geschichte
Mexikos und Chosôns (das Koreanische Königreich), das
durch die Annexion Japans verschwindet. Spätestens ab diesem Zeitpunkt
gibt es kein Zurück mehr, die Identitätssuche der Koreaner
beschränkt sich jetzt nur noch auf das fremde ferne Land, dessen indigene
Bevölkerung, die Mayas, ebenfalls durch eine Kolonialherrschaft
unterworfen und versklavt worden war. Beruhend auf einer wahren und vergessenen
Geschichte lässt KIM Young-ha Kriminelle, Soldaten, Bauern, Eunuchen,
Schamanen, Priester und verarmte Adelige zu Helden werden.
Unter
anderen wird die Geschichte von Ijong, einem jugendlichen Hausierer, und von Yon-su
erzählt, deren dramatische Liebe auf dem Schiff beginnt. Doch auch der
japanische Koch, dessen Einsamkeit und Verlangen der Autor „eindrucksvoll
und subtil“ herausarbeitet, interessiert sich für Ijong. Auf dem
Schiff herrschen Enge und Bedrängnis, Menschen, aus den unterschiedlichen
Schichten, die sich im alten Kaiserreich Chosŏn nie begegnet wären, sind nun
zusammengepfercht, alle in der Hoffnung auf ein besseres Leben im fernen
unbekannten Mexiko ... Es kommt zu schweren Konflikten. Ijong arbeitet als
Hilfskraft in der Küche. Diese enge raue Männerwelt wird für ihn
bald so etwas wie Zuhause. Yonsu, die in einer adligen Familie behütet
aufgewachsen ist, fühlt sich dagegen den Blicken der Männer hilflos
ausgeliefert. Und doch entwickelt sie erstmals in ihrem Leben ein Gefühl
von Freiheit. Das Schiff erreicht Mexiko, die Auswanderer werden auf
unterschiedliche Haziendas verteilt. Auch Yonsu und Ijong werden bald getrennt,
alle Hoffnungen zunichte gemacht ...
Wie
in Filmsequenzen gestaltet Kim Young-ha mit seiner klaren realistische
Erzählsprache ein Ost und West übergreifendes transkulturelles
Panorama. Motive wie Macht und Religion, Krieg und nationale Identität,
Heimat und Fremde, Liebe und Hoffnung vereinen die unterschiedlichen
Geschichten zu einem spannenden Epos, das bei aller historischen
Authentizität für den heutigen Leser eine Vielzahl aktueller
Bezüge bereithält. Es geht um das Drama – und Abenteuer –
der Emigration, Menschen die aufbrechen und für immer verschwinden.
Angesiedelt in einer historisch bewegten Zeit und orientiert an historischen
Fakten.
Erste
Pressestimmen:
„Ihnen
werden schöne Wohnungen und jeden Tag warme Essen versprochen, doch dann
schuften sie wie die Sklaven. Der Roman handelt von Koreanern, die 1905 nach
Mexiko auswanderten und hofften, dort Geld und Glück zu finden. Kim
Young-ha verbindet das Migrationsthema mit einer Liebesgeschichte zwischen
einem armen Waisen und einem Mädchen aus gutem Hause. Es ist ein dialog-
und gedankenreiches Buch mit starken Bildern …“ Stuttgarter Zeitung
„Kim
Young-ha gelingt es mit seinem bilderreichen, oft mitreißenden Schreibstil,
den Zusammenprall der Kulturen lebendig zu machen.“ (Kommune)
„...
versteht es der koreanische Bestsellerautor Kim Young-ha meisterlich, den
Abschied von Korea, die Überfahrt und die Ankunft in Mexiko zu beschreiben
... ein sehr gut erzählter und gewandt übersetzter Schmöker, in
den man gerne eintaucht und der angereichert mit historischen Fakten nebenbei
sogar richtig lehrreich ist.“ (SWR)
Die
Übersetzer:
Hanju
Yang
Literaturübersetzerin,
Dozentin
1959
in Südkorea geboren, seit 1980 in Deutschland, MA-Abschluss Germanistik in
Frankfurt a.M. Seit 1984 Übersetzerin, seit 2001 hauptsächlich
Literatur-Übersetzungen. Zwischenzeitlich als Journalistin tätig.
Seit 2000 Dozentin für Koreanisch an der Ruhr-Universität Bochum.
Heiner
Feldhoff
Autor,
übersetzte gemeinsam mit Hanju Yang "Schwarze Blume" ins
Deutsche.
1945
in Steinheim/Westfalen geboren, Studium der Germanistik und Romanistik.
Schreibt Lyrik, Prosa, Biographien, Übersetzungen. Zahlreiche
Veröffentlichungen auch im Rundfunk (SWR, SR, HR). 1985 Förderpreis
des Landes Rheinland-Pfalz, 1996 Joseph-Breitbach-Preis. Lebt bei Koblenz.