Dieter de Lazzer
ist Schriftsteller, Theologe und Jurist. Er verfasste
zusammen mit Felix Huby zahlreiche Drehbücher für erfolgreiche
Fernsehserien und Kriminalfilme sowie die Komödie »Selbscht ischt
der Mann« und das Volkstück »Georg Elser – Allein gegen Hitler«. Als
literarischer Autor schrieb de Lazzer in verschiedenen Genres, u.a.
diverse Kriminalromane. Am liebsten ist er Erzähler.
Mai 2012:
Buch für einen Leser 2. Décollagen
320 S., gebunden, 14,90, ISBN
978-3-88769-748-9
Der erste Band führte von der Kindheit auf der Ostalb hinaus … Im
zweiten Band der autobiografischen Erzählung treffen wir Gudrun
Ensslin, hören vom legendären Tübinger »Lamm« und vom Großen
Lauschangriff. Der Erzähler lässt eine Mutter ihr eigenes Kind
adoptieren, ist plötzlich Chef einer psychiatrischen Anstalt, dann
hat er einen geklauten Öltanker am Hals. Wir gehen mit dem
Architekten Olgiati spazieren und stehen im Atelier mit Anselm
Kiefer, treffen Künstler und Fälscher. Und lesen über die
Hintergründe von Bienzle-Tatorten und TV-Serien wie »Oh Gott, Herr
Pfarrer«.
»Als Erzähler ist er eine Wucht. Anschaulich erzählt er, spannend,
ebenso stringent wie in Sprüngen … auch in ganz und gar
unvorhersehbaren Abschweifungen genüsslich auf eine Pointe
zusteuernd.«
(M. Kubiak/Heidenheimer Zeitung über das »Buch für einen Leser 1«)
neu 2011
Buch für einen Leser
Biografische Erzählung, 320 S., gebunden, Fadenheftung,
Schutzumschlag, Lesebändchen, Euro 14,90,ISBN 978-3-88769-747-1
Bestellung
Eine überraschend friedliche Kindheit mitten im Krieg, Heidenheim
als Fabrikler-Stadt, die unterschwellige Soziographie der Ostalb,
erzählt wird auch von der lustigsten Leich' der Zwanzigerjahre und
vom Schreiner Schorsch Elser. Von da führt der Erzählfaden hinaus …
nach Südtirol, Tübingen, in die Schweiz, nach Schottland. Wie lebte
man als junger Mensch in dem Jahrzehnt vor 1968? Für seinen Sohn hat
er dieses Buch geschrieben, ein Stück Heimat zwischen Buchdeckeln.
Ein zweiter Band wird folgen.
"Von der Ostalb erzählen können - wie de Lazzer kann's keiner."
Uwe Zellmer, Theater Lindenhof in Melchingen
"Als Erzähler ist er eine Wucht. Anschaulich erzählt er,
spannend, ebenso stringent wie in Sprüngen … auch in ganz und gar
unvorhersehbaren Abschweifungen genüsslich auf eine Pointe
zusteuernd."
Heidenheimer Zeitung
Kurze LESEPROBE
Nachtleben.
Der Bruder des Erzählers war zweieinhalb Jahre älter und also
Vorbild, Anreger und Schrittmacher für den jüngeren. Sie waren fast
immer zusammen. Das führte zu jener Großen Erzählung, die als
beinahe unendliche Geschichte durch die ganze Kindheit führt. Sie
wurde im Konjunktiv erzählt: und dann würde …, und gibt also Antwort
auf die Frage: Was wäre, wenn …?
Die beiden Buben wurden meist gleichzeitig zum Schlafen geschickt. Dann wurde das Licht gelöscht. Was wäre, wenn es nun ein alter ego gäbe, das um diese Zeit noch nicht schlafen müsste, sondern all das tun dürfte, was den Jungen jetzt, wo sie im Bett bleiben müssen, verboten oder unmöglich ist? …
Dabei hatte das ganze Netz etwas Zauberisches, ein Tabu um sich. Bis heute scheut sich der Erzähler, den damals gebrauchten Namen des kleinen Homunkulus, der eben wie Rumpelstilzchen etwas Mysteriöses verkörperte, zu verraten und zu profanieren. Schließlich gehört er ja auch nicht ihm allein.
Ort dieser Geschichten war allein die Schlafkammer in der Nacht vor dem Einschlafen, nach dem Löschen des Lichts, wenn die Jungen sich in halblauten oder geflüsterten Sätzen austauschten. Es war klar, dass jeder seine Figur hatte, obwohl beide zusammen eine waren. »Aber meiner würde jetzt …«- Das würde dann eine Weile so stehen bleiben. Und dann würde der andere seine Version erzählen, detailgenau, sozusagen die Differenzen protokollierend. Nach und nach ging die Geschichte langsamer voran. Es gab längere Pausen zwischen den Sätzen. Irgendwann schlief einer ein. Und dann auch der andere, gleich danach, weil jetzt auch das gemeinsame Phantasiereich zur Ruhe gekommen war. - Bei Tag spielte diese Geschichte keine Rolle, da war anderes dran. Aber Themen, Probleme, unerfüllte Wünsche und Fragen, die man gerne weitergetrieben hätte, wurden aus dem Spiel der Tage in die Geschichte hinübergetragen in die geträumte und phantasierte Parallelwelt …
Je nachdem, wie die Wünsche
sich entwickelten, wer man gerne gewesen wäre und was man gerne
gehabt oder getan hätte, gab es Züge (in der Spur A0, damals
Null-Null), die in Tunnels in den Wänden fahren konnten bis in die
Küche, dort mit ihrem Hebezeug einen Apfel aufladen und bringen. Es
gab Tunnels, in denen man überall hinkommen konnte, um etwas zu
schauen oder zu tun …
Längere Leseprobe folgt
Harald Körke |
|||
|
|