Biographie
Annette Wieners arbeitete als Hörfunkjournalistin
von Bayern bis nach Norddeutschland, derzeit ist sie als Journalistin und
Moderatorin beim WDR, Köln. Sie hat bereits zahlreiche Drehbücher geschrieben.
“Die Beerdigung ihrer Mutter” ist ihr Debütroman.
Die Beerdigung ihrer
Mutter
Roman, 200 Seiten, gebunden,
Fadenheftung, Schutzumschlag,
erschienen im Herbst 2006,
EUR 12,90, SFr 21,90, ISBN 10: 3-88769-359-0
ISBN 13: 978-3-88769-359-6
Der Roman
spielt im Milieu moderner Familien, erzählt wird aus der Perspektive des
halberwachsenen Mädchens Eva.
Eva
wächst auf in einem dieser toleranten, aber unverbindlichen
zeitgenössischen Haushalte, die Mutter, Ärztin, zieht sich abends
gerne auf einen Wein zurück, der Vater ist unsichtbar. Die Mutter, wie viele
Eltern von höherem Bildungsniveau, überlässt ihre Tochter sich
selbst, meint, sie müsse lernen, die Dinge in die Hand zu nehmen, zu
entscheiden.
Eva sehnt
sich nach Kontakt, nach einer „echten“ Bindung. Als sie die Mutter
einer Freundin kennenlernt, beginnt sie, diese zu idealisieren. Die Mutter genießt
zunächst den Sturm an Aufmerksamkeit. Eva glaubt, dem Ziel ihrer Sehnsucht
damit näher zu kommen. Aber bald stößt sie auf Widerstand ... Wahre
Gefühle gibt es nicht. In Eva wächst Wut. Zunehmend anarchisch versucht
sie, das starre System der Familie zu unterwandern. Doch auch die traditionelle
Familie ist nicht die Lösung dieser Gefühlsverstrickung, auch sie
zeigt sich in diesem Roman von ihrer fatalen Seite. Erzählt wird auf zwei
Zeitebenen, die Rahmenhandlung spielt am Tag der Beerdigung der Mutter der
Freundin, man weiß nicht, wie sie umgekommen ist, bis zur Auflösung
am Ende.
„Atemlos“
mache ihn der Stil der Autorin, sagte Wilhelm Genazino, uns hat genau dieser Stil
von Anfang an in Bann gezogen. Ein ernstes Thema mit Tempo erzählt.
Der Roman
berührt neuralgische Punkte einer beziehungsarmen Gesellschaft.
Pressedossier „Die
Beerdigung ihrer Mutter“
Roman, 200 Seiten, gebunden,
Fadenheftung, Schutzumschlag, Oktober 2006, EUR 12,90, SFr 21,90, ISBN 10:
3-88769-359-0 ISBN 13: 978-3-88769-359-6
„Amüsant
ist zu beobachten, wie ungeschickt viele Vertreter der »ernsthaften«
Literatur scheitern, wenn sie sich an hoch-literarischen Genrevariationen [Krimi]
versuchen – weil sie von den Genregesetzen keine Ahnung haben, weil sie
sie nicht ernst nehmen oder weil sie sie falsch verstanden haben.
Umso bemerkenswerter die aktuelle Ausnahme: Der
Debütroman »Die Beerdigung ihrer Mutter« der bekannten WDR2-Moderatorin Annette Wieners. Er erzählt die Geschichte eines einsamen, emotional
vernachlässigten Mädchens, das sich die Wärme, die es braucht,
auf perfide, verzweifelte, sozusagen kriminelle Weise aus ihrer Umgebung holt.
Eine böse und bittere, eine kluge und geschickte Geschichte, die so
sparsam, aber auch so treffsicher mit Krimielementen spielt, dass es einen
schaudernd freut.
»Nur« ein »Krimi«? Ein gelungener
Hybrid aus »U« und »E«? Oder doch literarische
Literatur mit Fingerspitzengefühl, die sich ihrer Erzählmuster
respektvoll bewusst ist?
Wie auch immer: Kein Krimi. Aber ein verdammt
guter.“ (StadtRevue Köln, 12/06)
„Nach und nach, in Rückblenden, Gedanken und
Erinnerungen entblättert sich die Geschichte dann zwar Schicht für
Schicht, aber die Erzählerin, also die Autorin enthüllt immer nur so
viel, dass man dran bleibt an ihrer Geschichte und weiter liest in der
Erwartung weiterer Informationen. Ehe man es sich versieht, hat die Autorin,
also die Erzählerin einen allerdings längst gefangen, mit ihrer geschickt
dramaturgisierten Geschichte, mit ihrer zwischen Binnen- und Außensicht
changierenden Erzählhaltung; mit den schwarzen Löchern, die sich
zwischen Zeilen ihrer Erzählung, ihrer Psyche auftun – und die einen
einzusaugen scheinen. Anfangs weiß man nur, dass die Mutter
„ihrer“ Freundin beerdigt wird; bald ahnt man, dass
„sie“ auf irgendeine Weise damit zu tun haben könnte;
erschrocken, erschüttert fast erkennt man schließlich die Doppeldeutigkeit
des Titels dieser Geschichte: „Die Beerdigung ihrer Mutter“.
Spannend ist dies gleich auf mehreren Ebenen: Weil sich nach und nach die
„wahre“ Haltung der Erzählerin auftut. Weil sich erst mit der
Zeit die tatsächliche Geschichte des Buches, des Falls entblättert.
Weil sich anzudeuten scheint, dass ein Verbrechen – oder aber doch nicht?
Krimimuster also, ganz zart und doch sehr dynamisch angelegt. ".
(Bücherwelt, Deutsche Welle, 19. Nov. 2006)
„Das
Début handelt von Mutter-Tochter-Verhältnissen, und dieses tragikomische
Thema wird mit gebotener Drastik und psychologischem Furor exemplifiziert.
[...] Ein Roman, der in seinen Bildern pathetisch ist und in seiner Sprache
angenehm unterkühlt [...] ein Buch, das eine grundlegende Choreographie
aus Anziehung und Hass im Format eines Psychothrillers neu entwirft.“
(Neue Zürcher Zeitung, 11. Nov. 2006)
„Ein
gerade auch sprachlich ungewöhnlicher Debütroman [...] anspruchsvoll
und spannend.“ (ekz)
„Ein
Gesellschaftsroman des 21. Jahrhunderts … in einem eigenwilligen, aber
zugleich eindringlichen Stil [beschreibt] Annette Wieners die Gedankenwelt und
Beobachtungen der heranwachsenden Eva, die am eigenen Leib erleben muss, wie
belang- und beziehungslos es mittlerweile selbst schon in der Keimzelle der
Gesellschaft – der Familie -geworden ist: ein Gesellschaftsroma des 21.
Jahrhunderts.“ (Lübecker Nachrichten, 27.9.2006)